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Die zweite Erstausgabe

Sicherheit ist ein großes Klischee. Es ist typisch deutsch,
dass alle verrückt nach Sicherheit sind. (Wladimir Kaminer)

Es war eine Tour de Force. Die Idee war die einer kreativen, engagierten und schlauen Berliner Zeitschrift mit der klaren Sprache guter Autoren und einer schönen Optik. Es folgte ein Jahr recherchieren, diskutieren, entwickeln und wieder verwerfen. Dann standen das Konzept, erste Skizzen sowie der Geschäftsplan. Doch keine Bank wollte auf dieser Basis eine solide Finanzierung für eine Verlagsgründung angehen - der Zeitschriftenmarkt sei derzeit ein zu hohes Risiko.

Es gab zwei Möglichkeiten: Aufgeben oder den Durchmarsch wagen. Alles Geld zusammenkratzen, die Reserven auflösen und einfach starten, um später Geldgeber für dieses Projekt zu gewinnen. Kompetente Freunde und Ex-Kollegen unterstützten Redaktion, Marketing und Vertrieb. Mit Jürgen Brinckmann kam das Herzblut eines erfahrenen Buchgestalters dazu. Autoren, Fotografen und Illustratoren fanden die Idee gut und brachten sich ein. Der Zeitpunkt war günstig, also wurde der Startschuss gegeben und die Erstausgabe auf den Weg gebracht. Eine hervorragende Druckerei übernahm die Gesamtproduktion, starke Vertriebspartner belieferten den Handel, und der war angetan.

Die Kolleginnen und Kollegen in den Redaktionen honorierten in ihren Kritiken den Mut. Es gab Lob und Schelte, aber insgesamt sehr viel Wohlwollen und Zuspruch: »Kann was werden.« Wir waren glücklich und stolz. Ein kleiner Verlag mit einem Netzwerk von Helfern hat es geschafft, eine Zeitschrift zu gründen, die beachtet wird.

Mit der zweiten Ausgabe haben wir auf Kritikpunkte und Anregungen reagiert und alles überarbeitet: Die Themen sind vielfältiger und aktueller, das Tagebuch wurde gekürzt und pointiert. Interviews, Vorabdrucke und ein ausführliches Porträt sind hinzugekommen. Mehr Gezeichnetes, ohne die Fotografie zu vernachlässigen. Eine zweite Erstausgabe ist entstanden.

Position beziehen wurde verlangt, und die Voss zeigt jetzt deutlicher, wofür sie steht: Für die Werte »Toleranz, Freiheit und Solidarität« eines Ernst Reuter. Für das Denken und Handeln ohne ideologische Scheuklappen, wie Edzard Reuter es vorlebt. Für Bildung statt Medienhysterie (Rüdiger Safranski). Wissenschaft, Kunst und Kultur müssen die treibenden Kräfte in dieser Stadt sein, denn nur mit Vernunft und Kreativität kann Berlin mehr sein als die Summe aller Schulden.

Andreas Bock

PS. Verschenken Sie viele Test-Abos. Wir sind »verrückt nach Sicherheit« ...